Worauf einen keiner vorbereitet, wenn man ins Ausland geht, ist, dass man in den ersten Tagen von Eindrücken, Erfahrungen, Unterschieden und Gemeinsamkeiten überwältigt wird. Wie auch? Man kann rational zwar verstehen, dass es in den ersten Tagen viele neue Eindrücke zu verarbeiten gibt, aber so richtig vorstellen kann man es sich schlussendlich nicht. Genauso wie man rational manche Sachen weiß und sie trotzdem nicht wirklich begreifen kann (wie für ein Jahr in einem fremden Land zu sein, hust hust).
Es ist nicht so, als hätte ich nie Vorbereitung dahingehend gehabt. Als weltwärts-Freiwillige gibt es sogar eine Regelung, die vorschreibt, wie viele Seminartage man insgesamt haben und was alles im angeschnitten werden muss.
Die zwei Vorbereitungsseminar (eins Online, eins für 9 Tage in Präsens) waren mehr als hilfreich und haben mir nicht nur transparent gezeigt, auf welche Krankheiten ich mich möglicherweise einlasse, sondern auch über bestimmte Themen gut sensibilisiert, wie Rassismus, kultubewusste Kommunikation und Kolonialisierung. Auch jetzt habe ich das Gefühl, durch das Vorbereitungsseminar auf einige zentrale Aspekte gut vorbereitet zu sein und zu wissen, wie ich in bestimmten Situationen möglichst passend handle.
Letztenendes geht man jedoch nur mit einem bestimmten Grundwissen in das Land und niemand wird dir genau sagen können, wie du, dein Körper und deine Psyche darauf reagieren werden.

Ich hab in den ersten paar Tagen suuuper viele aufregende und neue Erfahrungen gemacht, für die ich auch unglaublich dankbar bin. In meiner ersten Woche war jeden Tag irgendwas los, egal ob Museums oder Office Besuch, ob Markt oder Kulturzentrum, jeden Tag war irgendwas geplant. Zum Ende unserer ersten Woche wurde mir und meinen Mitfreiwilligen dann mitgeteilt, dass wir in den kommenden Tagen eine bis dato noch 14 tägige Tour durch einige Dörfer des Landes machen würden, um Bewusstsein für die anstehende Wahl zu schaffen.
Mega Gelegenheit denkt man sich, oder? Das Land ein bisschen mehr sehen und bereits im ersten Monat reisen können? Besser geht es doch garnicht.
Sollte man meinen. Das erste Gefühl war bei mir jedoch weder pure Freude noch Aufregung, sondern schlicht und einfach Schock. Ich war gerade erst angekommen, habe immer noch nicht richtig realisiert, dass ich hier bin und soll schon wieder weg? Die Abenteuer der ersten Woche noch nicht vollständig verarbeitet und schon ins nächste?
Ich hab mich gefühlt, wie vom Zug überfahren, ich war nicht mal richtig in Blantyre angekommen. Die ersten Tage bin ich quasi ins Bett gefallen und war eigentlich froh über die Stunden, die wir einfach mal in unserem Haus verbringen konnten.
Tatsächlich hat sich die ganze Situation auch körperlich bemerkbar gemacht, seit der Verkündung habe ich blöderweise wieder Kiefergelenkschmerzen, die ich stressbedingt auch schon während meiner Abiturphase hatte.
Es ist nicht so, als hätte ich mich garnicht darauf gefreut, im Endeffekt hab ich versucht mich nach dem ersten Schock auf das Positive zu konzentrieren, aber ich kann auch nicht leugnen, dass ich ein bisschen erleichtert war, als mir mitgeteilt wurde, dass es zwei Gruppen geben wird und ich in der zweiten und somit späteren und weniger langen bin.
In den letzten vier Tagen hatte ich also die Gelegenheit ein bisschen mehr HIER anzukommen und mir die Zeit zu nehmen, mal nichts wirklich zu tun.
Ich bin unglaublich dankbar dafür, da ich die Tour immernoch machen kann, nur halt etwas später und etwas kürzer als die erste Gruppe und gleichzeitig die Eindrücke der letzten Tage verarbeiten zu können.
Schlussendlich ist es manchmal einfach besser, sich ein bisschen mehr Zeit zu nehmen. Ich glaub vorallem in diesem einen Jahr wird es wichtig sein, auf sich und seinen Körper zu hören und ein Bewusstsein für die eigenen Grenzen zu entwickeln, da niemand verlangt, dass man sofort über sie hinaus schießt.