Ein sehr interessantes Phänomen, dass ich hier bewundern durfte, war der Glaube an Magie, insbesondere schwarzer Magie. „Witchcraft“, übersetzt Hexerei, ist hier ein sehr gängiger Begriff und jeder weiß von seiner Existenz.
Viele werden mir bestimmt zustimmen, wenn ich sage, dass wir aus dem globalen Norden eher nicht von der Existenz von Hexen oder Magie überzeugt sind. So kam es schon zu der ein oder anderen Situation, wo ich Menschen verschiedene Menschen gefragt habe, ob sie denn wirklich an Witchcraft glauben würden. Nicht selten kam dann eine für mich sehr verwirrende Antwort: „Nein ich glaube nicht an Hexerei, aber ich weiß, dass es sie gibt.“ Bei dieser Antwort sind unzählige Fragezeichen und ein großes „Hä?“ in meinem Kopf aufgeplopt. Denn nicht an etwas zu glauben, aber von dessen Existenz überzeugt zu sein, steht für mich in einem starken Kontrast.
Es ergibt jedoch Sinn, wenn man es von einer religiösen Seite betrachtet. In Malawi ist Religion sehr präsent, vor allem das Christentum und der Islam. Was also mit der Aussage gemeint ist, ist dass der Glaube an Gott die Hexenmagie überlagert und sie einer an Gott glaubenden Person nichts anhaben kann. Ich bin aber auch noch nicht ganz dahinter gestiegen, wie genau der Glaube an Hexenmagie hier funktioniert. In meinem Kopf stelle ich es mir ein bisschen wie den Glauben an Satan vor, aber das würde ich nicht auf die Menschen hier übertragen wollen.

Was genau ich mit Witchcraft/Hexerei oder auch dunkler Magie meine, zeigt sich am besten anhand von Beispielen.
Bereits in meiner dritten Woche kam ich das erste (und zugegeben das einzige Mal) in Berührung mit Witchcraft. Es war auf unserer Tour zur Wahlaufklärung, für die, die sich an diesen Blogeintrag erinnern 😜. In einem der Dörfer, relativ zum Ende des Tages, entdeckten wir eine große Menschentraube. Alle tuschelten und blickten in Richtung einer Mauer, es gab sogar Menschen, die auf dieser Mauer saßen, um dahinter zu blicken. Auch die Polizei war anwesend. Ich, noch relativ neu in diesem Land, war augenblicklich verwundert. In meinem Unwissen drehte ich mich zu einer Kollegin und fragte sie, was los sei. Zuerst erklärte sie mir, dass ein Paar dort in der Öffentlichkeit seine Liebe vollzog, um zu verhindern, dass einer der Partner in eine ungewollte Ehe gelangt. So weit so plausibel. Später kamen wir nochmal an der Traube vorbei, die sich auch nach guten 2h nicht aufgelöst hatte, wenn nicht sogar gewachsen war. Meine Kollegin fragte (auf Chichewa) also nach genaueren Informationen. Daraufhin korrigierte sie die Geschichte.

Einer der beiden Partner war nun bereits verheiratet und hatte somit eine Affäre. Als das Paar nun den Akt vollzog, passierte es. Sie blieben in einander stecken und konnten sich nicht mehr voneinander lösen, woraufhin die Polizei informiert wurde (ich hab noch nicht ganz verstanden, wie diese das Problem lösen sollte, aber naja). Doch warum konnten sie sich nicht mehr lösen? Die Antwort darauf ist Hexenmagie. Wie? Der verheiratete Partner, wurde von seinem Ehepartner Aussagen zufolge „locked“ (das passendste Wort dafür wäre wahrscheinlich gesperrt, obwohl es das in meiner Auffassung nicht ganz trifft). Er soll also zu einer Hexe gegangen sein, um zu verhindern, dass sein/ihr Partner/in sie betrügt, indem diese Person nicht in der Lage ist, sich nach dem Vollzug zu lösen. Der Partner wusste davon nichts, die Begründung war Magie, es soll keinen Kontakt zwischen dem betroffen Partner und der Hexe gegeben haben und somit auch keinen körperlichen Eingriff. Als mir die Geschichte erzählt wurde, konnte ich wirklich nicht glauben, dass jemand an sowas glauben könnte. Ich habe nach plausiblen, belegbaren Antworten gesucht, die es aber nicht gab.

Eine andere Geschichte, die mir erzählt wurde, war von einem Mann, der sein Haus durch Magie vor Diebstahl schützte. Als ein Dieb das Haus nun anfasste, soll dieser mit seiner Hand an der Wand kleben geblieben sein.
Neben solchen Storys gibt es aber auch einige mit historischem Hintergrund. Beispielsweise wird sich erzählt, dass ein Stein neben der Straße von Blantyre nach Thyolo verwunschen sei. Würde man diesen umrunden, erwartet einen, der Erzählung nach, ein Fluch. Begründet ist dies, da bei der Erbauung der Straße der Stein eines Tages beiseite geräumt worden sei, er am nächsten Tag aber auf wundersame Weise wieder an der selben Stelle wie zuvor lag. Der Stein soll aber zu groß und schwer sein, um diesen als einzelne Person in Bewegung setzten zu können. Daher also die Geschichte, dass er von Hexen verwunschen wurde.
Ansonsten habe ich auch schon von Vorhersagen gehört. Die sind aber eher im Stil von „tu das und du bekommst das“ oder besitze „jenes um anderes zu garantieren“. So hat mir Elsa einmal erzählt, dass eine Frau mit einer Schlange schlafen müsse, damit sie/der Mann/die Familie (da bin ich mir unsicher) Ruhm und Reichtum erwarten würde. Ähnlich verhält es sich glaube ich mit Albino Knochen, Gliedmaßen und Organen, denen dann zum Teil Heilwirkungen oder ebenfalls Reitum nachgesagt werden.

Ich finde viele der Geschichten echt faszinierend, aber so Erfahrungen wie ich meine am Anfang geschildert habe, hört man garnicht so oft und auch im generell, als ich Freunde und Bekannte gefragt habe, gab es nur selten wirklich konkrete Beispiele. Ich glaube auch, dass das Phänomen eher im ländlichen Raum und weniger in den Städten zu finden ist und der Glaube in Dörfern auch deutlich ausgeprägter ist. Nichtsdestotrotz ist mir selbst hier in Blantyre bis jetzt niemand begegnet, der wirklich gesagt hat, Witchcraft gäbe es nicht.

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1 Kommentar

  1. Wieder einmal ein gelungener Bericht. Auch in unserem Breitengrad hatten auch der Glaube an Hexen und Zauber Jahrhundert lang Bestand. Aberglauben gehörte zum Alltag. In der heutigen Zeit kenner wir ja noch solche Sprüche. Schwarze Kater rechts über Straße, schlechtes bringt oder nicht unter einer Leiter hindurch gehen, Unglück bringt es usw..
    Wünsche dir noch viel schöne Magie.

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