ETF? Etwa Exchange Traded Fund? Jetzt könnte man sich fragen, was ich auf einmal mit Geldanlagen am Hut habe, aber ETF hat für mich noch eine andere Bedeutung. Denn ETF steht in dem Fall für Easter Theater Festival, das Ereignis des Jahres, auf das ein Teil unserer Gruppe die gesamte Zeit hingearbeitet hat.
Ich persönlich war an der Organisation selbst eher weniger beteiligt, aber für Anna und Elsa hat es die Hauptaufgabe dargestellt. Sie haben die Performances und Künstler raus gesucht, Poster kreiert, Werbung gemacht, waren auf Social Media präsent, haben Freiwillige angeworben, einen Veranstaltungsort gesucht, Essensstände organisiert und die Künstler betreut. Und was kam am Ende dabei raus?
Ein großartiges Festival mit verschiedenen interessanten Theaterstücken, Tanzauftritten, Workshops und internationalen Auftritten. Dieses Jahr war die 7. Edition nach der Gründung 2015. Der Mann, der das ganze überhaupt erst ins Rollen gebracht hat, ist unser Chef McArthur Matukuta, ein Schauspieler, der nun eines der größten kulturellen Theater Festivals in Malawi vorweisen kann.

Im Zuge des ETFs drehten Anna und Elsa verschiedene Videos, welche sie vorwiegend auf TikTok hoch geladen haben. Mit kreativen Ideen und vielen Chichewa Künsten erlangten sie innerhalb kürzester Zeit große Aufmerksamkeit. Ich kann mich noch gut an Tage erinnern, wo Anna wie gebannt auf ihr Handy starrte und im Sekundentakt von neuen Likes und Aufrufen berichtete. Erst 20, dann 50, 100, 200, 350 Likes und pro Sekunde Zeitweise 10 neue Aufrufe. Es war eine beeindruckende Zeit.
Kurz vor dem Festival ging es dann für die beiden ins Fernsehen, wobei ich sie begleitet habe. Der erste Auftritt war bei dem Sender „Times“ ca. eine Woche vor dem Festival. Gegen 6:30 Uhr frühs saßen wir also im Warteraum, wo sich mit der Zeit ein paar mehr Menschen sammelten. Darunter auch zwei teils nicht ganz unbekannte malawische Sänger inklusive deren Manager. Als wir den Warteraum hinter uns ließen, stieg bei mir die Anspannung und das, obwohl nicht mal ich ins Fernsehen musste. Aber meine Nervosität war völlig unbegründet, Anna und Elsa haben sich super gut geschlagen und dabei so frei gewirkt, als hätten sie gerade einen Plausch mit einem alten Bekannten. Ich durfte in der Zwischenzeit vom Technikraum aus zu sehen, aber leider nicht selbst filmen, dieser Job wurde mir abgenommen.
Nur Fernsehen wäre ja langweilig gewesen, deshalb ging es wenig später auch direkt ins Radio.
Insgesamt war das eine super spannende Erfahrung, welche sich am ersten Tag des Festivals, am Freitag in der Früh, wiederholte.

Um 8 Uhr ging es im Portugese Club, dem Veranstaltungsort, mit dem Aufbau los. Es wurde dekoriert, Stühle aufgestellt, Tische umgeräumt, der Backstage Bereich frei gemacht und alles für den Beginn um 10 Uhr vorbereitet.
Doch es wäre nicht Malawi, hätten wir wirklich um 10 Uhr mit dem ersten Workshop gestartet. Zwischendurch hatte ich wegen der Verzögerung wirklich Zweifel, ob das nachfolgende Programm gut ablaufen würde, aber tatsächlich hat dann meiner Meinung nach weitestgehend alles geklappt. Die beste Performance war meiner Meinung nach die letzte, obwohl ich das vielleicht nicht perfekt beurteilen kann, da ich nicht alle Auftritte in ihrer Gänze gesehen habe. Sie hat mich besonders beeindruckt, da es eine Mischung aus Tanz und Theater war und einen sehr ernsten und bedeutenden Ton annahm, als zum Ende die Schauspieler in verschiedenen Rollen unterschiedliche Schicksale betrachteten und Monologe oder Dialoge über die jeweilige Thematik führten.
Der nächste Tag startete erneut mit Workshops, wobei beide Workshops auf zwei anstehende Performances vorbereiteten. Am Samstag bekam ich von den Auftritten selbst aber eher weniger mit. Zusammen mit Johannes sorgte ich für die Versorgung von Anna und Elsa mit Essen. Glücklicherweise war 10min Fußweg von der Location ein Einkaufszentrum, mit ein paar Fastfoodläden und einem Einkaufsladen. Trotz das es nicht weit war, kostete uns der Besuch mindestens 2h, da wir durch starken Regen an Ort und Stelle festgehalten wurden. Die letzte Performance habe ich geschafft anzusehen, es war die erste Internationale, gezeigt wurde ein Improtanz zu improvisierter Musik mit Tänzern aus Deutschland und Malawi. Es war eine recht interessante Aufführung, da man durch die komplette Improvisation immer andere Szenen und Personen bestaunen konnte.
Ich glaube Sonntag war dann der Tag von dem ich am meisten mitbekommen habe, was vielleicht daran liegt, dass ich nicht für das Essenholen verantwortlich war. Eine tolle Gruppe tritt an diesem Tag auf und zeigte verschiedene traditionelle Tänze, darunter auch einen zur Wiederauferstehung. Das besondere an dieser Gruppe war aber nicht unbedingt ihre Performance, obwohl ich sie auf dem gesamten Ranking für mich auf Platz 2 setzten würde, sondern, dass alle Tänzer Gefangene des Chichiri Gefängnis waren. Trotz gewisser Erfahrung, die ich hier gemacht habe, hab ich mich zu keinem Zeitpunkt unsicher gefühlt und die Tänzer haben sogar einen ziemlich sympathischen Eindruck gemacht. Das ist wohl das perfekte Beispiel für die Redewendung: „never judge a book by its cover“ obwohl das in dem Fall ja eher weniger mit dem Äußeren zu tun hat, naja.
Der Tag und das Festival endete mit der zweiten internationalen Performance des Chameleon Theater. Es war ein Stück, welches noch in der Entwicklung steckt und eine Adaption von einem Shakespeare Drama sein soll. Dementsprechend haben sie nicht das gesamte Stück, sondern drei einzelne Szenen präsentiert. Da sie, wie gesagt, noch in der Produktion sind, haben sie ebenfalls ihren Text mit sich auf die Bühne genommen, was gelinde gesagt etwas ungewohnt war. Ich glaube aber, dass es am Ende eine wirklich coole Produktion werden könnte.
Und so endete das ETF – Easter Theater Festival 2026 mit einer offenen Produktion und einem Versprechen für das nächste Jahr.

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1 Kommentar

  1. Es ist schön wieder etwas von dir zu hören. Ich freue mich mit welcher Begeisterung du von diesem Festival schreibst. Eindrücke und Erfahrungen die dich jetzt immer begleiten werden. LG Oma

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