Nachdem mein letzter Ausflug ja jetzt schon eine Weile zurück liegt, wurde es wieder Zeit, das Land in dem ich seit knapp 9 Monaten lebe, ein wenig mehr zu erkunden. Ein Ausflugsziel, welches ich mir schon recht früh gesteckt habe, war das Mulanje-Massiv, welches das größte Gebirge in Malawi ist. Mit knapp 3000m ragt es aus einer ansonsten recht flachen Landschaft heraus, was das Bergmassiv umso beeindruckender macht.

Unsere Reise ging von Blantyre aus mit dem Minibus gegen Montag Mittag los. In einem Dorf am Fuße von Mulanje übernachteten wir, damit wir top fit am Dienstag in der Frühe unsere Wanderung antreten konnten. Montag Abend haben Elsa und ich uns außerdem mit unserem Guide getroffen, der uns ein paar letzte Sachen erklärte und uns die nächsten drei Tage begleiten sollte. Generell sollte man auf keine Berge hier ohne Guide wandern, aber besonders im Mulanje Massiv kann man sich leicht mal verlaufen, weshalb dieser Punkt umso wichtiger ist.

Am Morgen kam es jedoch zu einer kurzfristigen Planänderung, da unser eigentlicher Guide plötzlich Zahnschmerzen hatte. Er verwies uns an seinen Cousin, mit dem es dann 6:50 Uhr los ging. Ich muss zugeben, dass er in einem SEHR sportlichen Tempo startete, womit ich nach nicht allzu langer Zeit bereits zu kämpfen hatte. Wir drosselten also das Tempo, was die Wanderung angenehmer machte und mich auch ab und zu die Aussicht bestaunen ließ. Die Wanderung hoch zum Plateau war recht anspruchsvoll, da der Weg ziemlich steil war und einem nur wenige Pausen vergönnte, aber irgendwie muss man ja 1000m Höhe erwandern. Nur leider führte dieser Anstieg auch dazu, dass ich mir innerhalb kürzester Zeit (30min!) meine erste Blase lief. Glücklicherweise hatte ich die Vorraussicht, mir Blasenpflaster und zur zusätzlichen Befestigung Tape einzupacken.
Nach insgesamt ca. 3h schafften wir es ohne weitere Zwischenfälle aufs Plateau. Oben angekommen war dann auch die erste von drei Wasserflaschen leer. 3 Wasserflaschen a 500ml? Das reicht doch niemals für die Zeit! Nein tut es nicht, aber das muss es auch garnicht. In Malawi wird dir zwar grundsätzlich als weiße Person abgeraten das Leitungswasser zu trinken, aber auf ca. 2000m Höhe entspringen die meisten Flüsse und Bäche einer direkten Quelle, weshalb das Wasser auf dem Plateau zum Trinken geeignet ist. Nichtsdestotrotz durfte ich mir von einem Bekannten den Wasserfilter leihen, um nicht doch das Risiko einer Magenverstimmung einzugehen. Und so wurden direkt als wir oben ankamen, erstmal die Wasserflaschen aufgefüllt.
Von unserem Guide bekamen wir auf Nachfrage, wie weit es denn noch sei, nur Zeitangaben, welche leider nie ganz passten. So haben wir also kurz bevor wir das Plateau erreichten nachgefragt, wie weit es denn von oben aus noch sei. Seine Antwort war 2h. Als ich jedoch nach 30min auf dem Plateau nochmals nach fragte, meinte er 2,5h-3h, was mich wirklich ein wenig irritierte und frustrierte.
Gegen 12 Uhr zweifelte ich wirklich stark, ob ich die restliche Strecke noch schaffte. Vom Anstieg war ich ziemlich ausgelaugt, hatten noch mindestens 2h Wanderung vor uns, auf dem uns nochmal ein ziemlicher Anstieg erwartete. Wie sich herausstellte, sieht die Welt nach einer kleinen Mittagspause, bestehend aus Toastbrot, einem Ei und Keksen, aber schon wieder ganz anders aus und so kamen wir ohne Probleme um 14:30 Uhr an unserem Tagesziel an.

An der Hütte entspannten wir uns erst einmal und bewunderten die Aussicht, bereits 30min nach uns trafen ein weiterer Deutscher und zwei Niederländerinnen ein mit denen wir die folgenden Tage verbringen sollten (mehr oder weniger zumindest). Wir tauschten uns ein wenig aus, der Deutsche war schon seit ein paar Monaten unterwegs und über Zambia in Malawi gelandet, wohingegen die zwei Niederländerinnen einen 14 tägigen Urlaub hier aufgrund einer Blogempfehlung machten. Nicht viel später stand für mich eine Dusche an, jedoch ohne fließend Wasser oder Strom, wie also Duschen? Mir wurde eine Schüssel mit warmen Wasser und einem Becher in einer kleinen Holzkabine  bereitgestellt. Man schüttet sich das Wasser also einfach über und auch wenn sich das unbefriedigend anhört, gab es nach dieser und der Wanderung am nächsten Tag nichts besser. Ich hab mich gefühlt wie ein neuer Mensch und es wirklich genossen, zumal es ja auch wassersparend war. Etwas später, als die Sonne schon langsam unterging, gab es Abendbrot, relativ einfach aber gleichzeitig nahrhaft und lecker, bereitete unser Guide uns Reis mit Sojapieces und Bohnen zu. Das ganze Essen haben wir tatsächlich selbst hoch getragen. Es ist zwar ziemlich normal hier einen oder teilweise auch mehrere Porter zu engagieren, also Menschen, die für einen die Sachen tragen, dass lag für uns aber etwas über dem gesetzten Budget und da Elsa und ich ja noch jung und fitt sind, haben wir die Lebensmittel größtenteils in unseren Rucksäcken untergebracht und den restlichen Teil hat netterweise unser Guide übernommen. Da war man dann gleich doppelt so stolz auf das Abendbrot.

Da es dort oben ja keine Dörfer, Städte und sowieso nur begrenzt Lichtquellen gab, konnte ich den Sternenhimmel in seiner vollen Pracht beobachten. Ich war bezaubert und eins könnt ihr mir glauben, ich hab noch nie sooo viele Sterne gesehen. Doch ich war dann auch echt schnell ziemlich müde, also ab ins Bett. Die Hütte war recht offen geschnitten mit einer Feuerstelle in der Mitte des Raums, um diese herum verteilten wir unsere Matratzen und kuschelten uns in unsere Schlafsäcke. Die erste Nacht war jedoch etwas kalt, wir hatten zwar ein Feuer, jedoch erlosch dieses bereits nach wenigen Stunden und aufgrund des Rauchs hatten wir das Fenster offen gelassen, ich hatte aber eine lange Hose, Socken ein Shirt und sogar meine Fleecejacke an, weshalb ich nicht wirklich fror.

Am nächsten Morgen ging es hoch zur Spitze. Saptiwa ist mit 3002m der höchste Punkt des Massivs und somit von ganz Malawi. Der Name  bedeutet übersetzt tatsächlich „geh da nicht hin“, trotzdem ist es für viele wohl ein gutes Ausflugsziel. Nicht allzu lange nach unserem Start wurde mir auch klar, woher der Name kommt. Denn eins kann ich euch sagen, eine Wanderung war das nicht mehr. Statt Erde als Untergrund durften wir Felswände hoch laufen, das nicht selten auf allen Vieren. Ich hatte ziemlich Angst abzurutschen, aber wir schafften die Felswände ohne Verletzungen zu erklimmen. Auf knapp 3000m angekommen, legten wir eine lange Pause ein, genoßen die Aussicht und ich stellte mich mental auf den Rückweg ein. Mal abgesehen von einer gerissenen Hose und etwas überstrapazierten Knien, war der Abstieg eigentlich entspannt. Einen nicht ganz unbeachtlichen Teil verbrachte ich zwar auf meinem Hintern, aber hey, wir sind unbeschadet angekommen, was ich beim Aufstieg wirklich bezweifelt hatte. Allein nach diesem hoch und runter hatten wir 5-6h Wanderung intus, jedoch erwartete uns am selben Tag, nach einer einstündigen Mittagspause, eine weitere Strecke.

Wir wollten die Strecke für den Tag der Rückkehr verkürzen, da wir a) noch am Donnerstag nach Blantyre und somit nach Hause fahren wollten und b) einen kurzen Abstecher zu einem Wasserfall geplant war. Also ging es Mittwoch gegen 15 Uhr in die letzte Etappe des Tages.
Ich wahr leicht besorgt, die Wanderung sollte laut unserem Guide lediglich 2,5h dauern, die Sonne ging gegen 17:45 Uhr unter und ich war etwas erschöpft, durch die Wanderung hoch zu Sapitwa. Dementsprechend blieb uns nicht gerade ein großer Puffer, bis es dunkel wurde. Unser Guide meinte wir schaffen es vor der Dunkelheit, ich hatte da so meine Zweifel dran und ich sollte recht behalten. Nachdem wir den anstrengensten Teil überstanden hatten und zu dem flachen Teil der Strecke kamen durften wir einen der schönsten Sonnenuntergänge beobachten, die ich je gesehen habe. Danach wurde es jedoch schnell dunkel, vorbereitet wie ich war, kramte ich also meine Stirnlampe hervor, was mir die letzten Meter erleichterte.
An der Hütte angekommen, verhielt sich der Ablauf ähnlich zum Vortag. Duschen, in die Sterne gucken, Essen, am Feuer wärmen und schlafen (diesmal aber in einem Doppelstockbett).

Am letzten Tag ging es wieder früh raus. Zu meiner Freude nahmen wir einen anderen Weg nach unten, als wir am Dienstaghoch genommen haben. Dieser führte uns durch einen Wald und immer dicht am Fluss entlang. Das fließende Wasser und Vogelgezwitscher hatte eine beruhigende Wirkung, weshalb wir ganz gut durch kamen. Wir machten lediglich zweimal halt, beide Male an einem Wasserfall, wobei wir beim zweiten auch ins Wasser springen durften. Die natürliche Badestelle hatte 16m Tiefe, weshalb es sich einige nicht entgehen ließen, von allen möglichen Punkten aus ins Wasser zu springen. An dieser letzten Sammelstelle verabschiedeten wir uns auch von dem Deutschen und den Niederländerinnen, welchen wir auf dem Weg über die Tage mehrmals begegnet waren und abends eine gute Gesellschaft bildeten. Von dort aus brauchten wir lediglich eine weitere Stunde bis in das Dorf, was uns genug Zeit verschaffte noch am selben Tag ziemlich erschossen in Blantyre anzukommen.

Der Trip war definitiv etwas Besonderes und wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Ich bin unglaublich froh Elsa dabei als Unterstützung gehabt zu haben und bin mir ehrlich nicht sicher ob ich die ein oder andere Stelle ohne sie gepackt hätte. Jedem würde ich die Strecke trotzdem nicht empfehlen, da sie teilweise schon wirklich anspruchsvoll ist, vorallem wenn es um den Aufstieg zur Spitze geht, trotzdem bin ich froh und stolz es gemacht zu haben.

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1 Kommentar

  1. Hallo, habe jetzt erst die Zeit auf Deinen ausführlichen Bericht zu reagieren. Durch die Bilder und den geschildert Ablauf der Wanderung war ich mit dabei. Es ist großartig zu sehen was alles möglich wird wenn man sich etwas zutraut. Wünsche Dir bzw. Euch für die nächsten Unternehmungen weiterhin alles Gute.

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